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Brei oder BLW?

Welche Methode ist die bessere?




Im Gespräch mit Natalie Stadelmann (Referentin und Fach-PTA für Ernährung)



Liebe Natalie, was haltest du von Beikostfahrplänen? Veraltet oder noch aktuell?

Beikostpläne können Sinn machen, wenn Sie den Familien einen Eindruck vermitteln, wie die Beikostzeit in etwa ablaufen kann und dadurch ein Gefühl der Sicherheit geben. Jedoch nicht als dogmatische Fahrpläne, sondern als Wegweiser. Leider sind manche Empfehlungen und Angaben in den gängigen Fahrplan-Modellen etwas veraltet oder missverständlich formuliert. So besteht etwa der Gemüsebrei keineswegs mehr nur aus Gemüse-Kartoffeln-Fleisch, wie es dort oft noch steht. Sondern er kann ganz vielfältig und in Anlehnung an die Ernährungsweise und –vorlieben der Familie auch vegetarisch, mit Hülsenfrüchten oder, wie es die Handlungsempfehlungen aussprechen, mit Fleisch oder Eiern gestaltet werden.

Die Zeitabstände erscheinen manchmal etwas starr und vernachlässigen, dass das Tempo und der Tagesablauf der Babys und ihrer Familien sehr unterschiedlich sein können. Mir fehlt auch der Hinweis auf die Notwendigkeit eines Fingerfood-Angebotes, spätestens dann, wenn die Kinder ihre Auge-Hand-Mund-Koordination trainieren und immer autonomer essen möchten, gehört das zur Entwicklung dazu.


Worauf sollte man achten, wenn man sich ausschließlich für die BLW-Methode entscheidet?


Mir gefällt der Ausdruck Fingerfood-basierte-Beikost (FfbB) besser J! Babygerechte Kost zum selber essen lernen sollte irgendwann mit ein Bestandteil jeder Beikosternährung sein- denn es entspricht der Entwicklungsaufgabe und dem Bedürfnis den Kinder. Jedoch sind manche Babys zu einem frühen Zeitpunkt damit möglicherweise noch überfordert, sie werden nicht schnell genug satt (was auch ein Thema der „richtigen“ Zeit für eine Beikostmahlzeit sein kann) oder sie verspüren einen noch sehr ausgeprägten Würgereiz. Dann kann Brei eine Zeit lang noch die bessere Option sein. Sobald die Kinder Interesse und die motorische Reife zum mit den Händen essen haben, darf und soll das aber unterstützt werden.

Bei der Entscheidung für einen rein Fingerfood-basierten Beikostweg nehmen die kleinen Esser ab Beikostreife ihr Essen auschließlich selbst in die Hand und entscheiden aus einer Auswahl geeigneter Lebensmittel, was sie zu sich nehmen möchten. Neben der Vorauassetzung der ausreichenden motorische Reife sind Ruhe und Sicherheit beim Essen wichtig. Daneben müssen Eltern ein paar weitere Punkte beachten:

  • Beginnen Sie mit den ersten Versuchen, wenn Ihr Baby frisch gestillt und satt ist, so fällt ihm die Umstellung leichter und es kann sich entspannt und mit Entdeckerfreude auf die neue Art der Ernährung einlassen.

  • Das Baby muss aufrecht und sicher sitzen, entweder auf dem Schoß eines Erwachsenen oder im Hochstuhl. Bieten Sie ihm sein Essen direkt vom Tisch (am besten von einem bruchsicheren Teller oder einer abwaschbaren Platzdecke) oder von seinem Stuhltablett an.

  • Zu jeder Mahlzeit gibt es eine Auswahl an weichen bzw. weich gegarten Lebensmitteln, die das Baby gut greifen und zum Mund führen kann.

  • Zuerst sind die Stücke etwa über babyfaustgroß, sobald es mit etwa 8–9 Monaten den Pinzettengriff lernt, sind sie auch kleiner.

  • Das Baby darf selbst entscheiden, welche Lebensmittel es mag und wie viel es davon verzehren möchte. Es wird ihm nichts in den Mund gesteckt, sondern nur angeboten.

  • Das Baby und die Familien nehmen die gleichen Grundzutaten auf, das setzt ein gesundes, vollwertiges und ausgewogenes Familienessen voraus. Es sollten keine Fertiggerichte, nichts scharf Gebratenes, Gewürztes, wenig Fettes oder Süßes verzehrt und alle Speisen salzarm zubereitet werden.

Als problematisch wird die im Vergleich zu den Breiempfehlungen meist etwas geringere Nährstoffdichte der Mahlzeiten, insbesondere durch die fehlende Fettzugabe, angesehen. Dies muss im Alltag gut durchdacht sein und kann praktisch durch eine Anreicherung mit Nussmus oder das Schwenken des Fingerfoods in etwas Pflanzenöl ausgeglichen werden. Meist bleiben Muttermilch oder Säuglingsmilchnahrung bis ins 2. Lebensjahr hinein die Hauptnährstoffquellen, was nicht immer günstig ist.





Fazit:

BLW ist gerade in aller Munde und viele Eltern bekommen den Eindruck vermittelt, dass es überholt ist seinem Baby Brei zu geben. Das sehe ich etwas anders.

Ich denke, dass auch die Generationen vor uns Ihren Kindern Essen in handlichen Stücken angeboten haben, an sich also überhaupt nichts Neues.

Und es gibt auch einfach Kinder die sehr gerne Brei essen. Auch wir Erwachsene essen gerne mal einen Brei (Kartoffelbrei, Griesbrei usw.) andere wiederum verschämen Ihn und wollen gleich am Familientisch mitessen.

Also mein Fazit:

Wie so vieles im Leben, die Mischung machts.


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